Groundhogs Day

it's a weird life in a strange world

And the Oscar goes to …

Es riecht nach rotem Teppich und Popcorn, die Oscars stehen wieder vor der Tür und das möchte ich zum Anlass nehmen euch meine Meinung zu den Kandidaten in der Kategorie Bester Film zu Präsentieren.

And the nominees are:

 

Für viele überraschend dürfte das Fehlen von Melancholia sein, der von den Kritikern in den USA im Vorfeld gefeiert wurde. Über die Gründe kann man sich vermutlich streiten, aber ich glaube man wollte sich einfach einen Autritt von Triers ersparen.
Ebenfalls nicht bedacht (bei den wichtigen Oscars) wurde erstaunlicherweise Drive. Vielleicht gibt es aber wenigstens den Preis für Sound Editing.

Genug des Vorgeplänkels, kommen wir zu den Kandidaten.

 

ACHTUNG! SPOILER!
Naja ok, ich schreibe bei keinem Film wie er ausgeht oder verrate etwaige Plot-Twists, aber wenn jemand so überhaupt gar nichts verraten haben will ist er spätestens ab jetzt falsch 😉

 

The Artist
Regie: Michel Hazanavicius

Ein Stummfilm aus dem Jahr 2011.
Diesen Satz muss man wohl erst einmal wirken lassen in einer Zeit in der 3D-Effekte ebenso wie bombastischer Sound zum Standard der großen Blockbuster zählen.
Aber der Anachronismus – der viel Mut erfordert und für den der Regisseur seit mehr als 10 Jahren gearbeitet hat um ein Studio zur Verwirklichung zu finden – wird von vielen als Favorit bei den Oscars gesehen.

Handlung:

George Valentin ist der Star des Stummfilms und hat alles was man sich wünscht, als er 1927 das erste Mal auf Peppy Miller trifft. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Affäre und er schafft es Peppy in die Filmbranche zu holen, wo sie schnell selbst erfolgreich wird.
In den folgenden Jahren sinkt Georges Stern, wohingegen Peppy immer berühmter wird. Mit der steigenden Popularität des Tonfilms, dem sich George vollständig verweigert verschwindet er langsam in der Versenkung und verliert kurz darauf alles was er je hatte.

Persönliche Einschätzung:

Der Film gefällt mir am besten im fröhlichen ersten Akt, weil in diesen Momenten der beschwingte 20s-Flair am besten wirkt. Im 2. und 3. Teil des Filmes, wenn das Drama zunimmt zeigt sich allerdings wie gut ein Film als Stummfilm wirken kann, da viele Ablenkungen verschwinden und nur die Mimik der Darsteller und die Musik den Inhalt erzählen. Diese beiden Punkte sind neben der stimmigen Ausstattung des Filmes besonders hervorzuheben, da beide Hauptfiguren und die wichtigen Nebendarsteller ihre jeweiligen Charaktere sehr gut darstellen und mir die Musik (oder in manchen Szenen das Fehlen der MUsik) nie unpassend erschien.
Ein sehr gefälliger Film und eine nette Abwechslung zum aktuellen 3D-Effekt-Spektakel aus Hollywood … definitiv ein heißer Anwärter auf den Award.

 

The Descendants
Regie: Alexander Payne

George Clooney auf Hawaii, das muss ein Film für Frauen sein 😉 da ich den alten Mann aber auch für recht cool halte, hoffe ich, mich kann das Familiendrama unterhalten. Auch wenn alles auf den ersten Blick recht generisch wirkt.

Handlung:

Matt King, entsprechend seines Namens auch noch der Nachfahre des alten hawaianischen Inseladels, muss sich, nachdem seine Frau Elizabeth durch einen Unfall im Koma liegt, um seine jüngste Tochter kümmern. Obwohl er schon damit grenzwertig überfordert ist liegt bei ihm auch die Entscheidung über einen großen Verkauf von Ländereien Kauaʻi mit weitreichenden finanziellen, aber auch ökologischen Folgen.
Nachdem er von den Ärzten erfährt, dass seine Frau bald sterben wird versucht er sein Verhältnis zu seinen Kindern zu verbessern und sorgt dafür, dass sich andere von Elizabeth verabschieden können.

Persönliche Einschätzung:

Solide Story, vor allem ab dem Punkt an dem Clooney erfährt, dass seine Frau sterben wird. Auch die schauspielerische Leistung ist sehr gut.
Aber ich sehe  den Film nicht auf einer Ebene mit anderen Nominierten, da er einfach zu konservativ ist und zu wenig bietet was neu ist oder ihn von anderen Familiendramen abhebt.
Unterhaltsam ist er, auch durch die eingestreuten Gags, dann aber trotzdem.

 

Extrem laut und unglaublich nah
Regie: Stephen Daldry

Die Reise eines Jungen durch New York um den Tod seines Vaters zu verarbeiten. Die Geschichte klingt sehr abwechslungsreich und spannend, kann aber sehr leicht zu sentimental für meinen Geschmack werden. Besonders gespannt bin ich auf Max von Sydow, der für diese Rolle auch für den Oscar als Bester Nebendarsteller nominiert wurde.

Handlung:

Oskar verliert seinen Vater (Tom Hanks) bei den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001. Als er in einem Schrank einen Schlüssel findet dem er nichts zuordnen kann begibt er sich auf eine Schnitzeljagd durch New York um herauszufinden wozu der Schlüssel gehört.
Unterstützt wird er auf der Suche vom Untermieter seiner Großmutter (Max von Sydow), durch den er viel lernt.

Persönliche Einschätzung:

Das zugrundeliegende Buch galt als „unverfilmbar“, eine Bezeichnung die spätestens seit der Herr der Ringe-Trilogie ihren schrecken für Regisseure verloren hat. Leider.
Ich gebe zu, dass ich das Buch nicht gelesen habe, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass (abgesehen von Stephenie Meyer^^) jemand mit so einem langweiligen Mist erfolgreich ist. Der Film drückt an jeder Ecke nur stumpf Knöpfe um den Zuschauer emotional zu berühren und man erkennt eine Menge Berechnung in diesem Bemühen.
Das waren für mich sehr Anstrengende 130 Minuten, die ziemlich sicher keine Chance auf einen Oscar haben, abgesehen von der Hauptfigur.

 

The Help
Regie: Tate Taylor

Die mir sehr sympathische Emma Stone (ich liebe Zombieland und Superbad!) kämpft in den 60ern für Gleichberechtigung und Bürgerrechte. Klingt so als könnte mir das gut gefallen.

Handlung:

Eugenia (genannt „Skeeter“) ist eine junge aufstrebende Schriftstellerin und Journalistin und damit die Karrierefrau in ihrem Freundeskreis aus gut-bürgerlichen Verhältnissen, die sich ihre Zeit mit Bridge und Klatsch vertreiben.
Wie es sich für die 60er in den Südstaaten gehört sind Rassentrennung und Rassismus an der Tagesordnung. Entgegen dieser gesellschaftlichen Konventionen arbeitet sie zusammen mit der schwarzen Haushaltshilfe einer Freundin um Artikel zu schreiben und beginnt diese und andere Hausangestellte zu interviewen für ein Buch über die Arbeit und das Leben in Jackson, Mississippi.

Persönliche Einschätzung:

Als Stimme der Vernunft hat man es nicht leicht. Schon gar nicht wenn man nicht nur die anderen Mitmenschen, sondern auch noch einige Gesetze gegen sich hat.
Der Film fängt sehr gut die Zeit ein in der alte Strukturen aufbrechen und die Menschen gegen die bestehende Ungerechtigkeit vorgehen. Das ganze wird vor allem durch die sehr gute schauspielerische Leistung von Eugenia und aller anderen Haupt- und Nebenpersonen (besonders Minny und Aibileen) sehr gut umgesetzt und der Soundtrack untermalt es sehr passend mit getragenen Klängen sowie Musik aus den Swinging Sixties.
Ich glaube zwar nicht, dass der Film den Oscar holt, da der „künstlerische Anspruch“ nicht so hoch ist wie es von der Jury erwartet wird. Dafür wird eine der interessantesten Geschichten der letzten Zeit erzählt und es ist mein persönlicher Favorit unter den Nominierten.

 

Hugo Cabret
Regie: Martin Scorsese

Ein Drama vom Meister und in den Hauptrollen Ghandi und Borat … ein Film bei dem ich so gar keine Ahnung habe ob und wie sich diese Gegensätze zusammenfügen werden, aber es klingt durchaus spannend.

Handlung:

Im Paris der 30er Jahre lebt der 12-jährige Hugo nach dem Tod seines Vaters mit seinem Onkel oberhalb eines großen Bahnhofes, dessen Uhren dieser stellt. Als allerdings auch der Onkel stirbt ist Hugo auf sich allein gestellt und übernimmt heimlich dessen Arbeit. Um zu überleben muss er in der Bäckerei und anderen Geschäften stehlen und ist immer auf der Flucht vor dem Stationsvorsteher.
Neben seiner Arbeit versucht Hugo einen Apparat zu reparieren, den er mit seinem Vater gefunden hat und von dem er überzeugt ist, dass er eine Botschaft verbirgt.
Auf seinen Streifzügen wird er bald von Isabelle, der Nichte des Spielzeugladenbesitzers, begleitet.

Persönliche Einschätzung:

Scorsese erschafft in diesem Film eine fast surreale Welt in dem Mikrokosmos des Pariser Bahnhofs, die den Zuschauer von Anfang an fasziniert. Die Geschichte um Hugo und den Apparat wird von vielen Nebenschauplätzen und anderen Geschichten umrahmt, die diese Welt mit Leben füllen.
Sir Ben Kingsley spielt überzeugend wie immer, aber mit Sasha Baron Cohen ist mir teilweise etwas zu comichaft als Gegenspieler von Hugo. Der Auftritt von Sir Christoffer Lee, der einen Bibliothekar spielt hat mich überrascht und wie kann man einen Film mit Lee und Kingsley nicht mögen 😉
Ein Spannender und Interessanter Film, der die wohl besten oscarchancen hat und eine uneingeschränkte Empfehlung (die 3D-Effekte kann ich nicht abschätzen, aber das Innenleben des Bahnhofs dürfte dadurch ziemlich gut rüberkommen).

PS:
Chloë Grace Moretz verhält sich in diesem Film mal wieder viel zu alt für ihr Alter … ob das rumgeballer in Kick Ass damit zu tun hat?! 😛

 

Midnight in Paris
Regie: Woody Allen

Woody Allen macht mal wieder einen Film und auch dieser wird wieder ein typischer Woody-Allen-Film werden. Mehr muss ich nicht wissen um mich darauf zu freuen, auch wenn ich meine Zweifel an der Wahl von Owen Wilson als Hauptdarsteller habe.

Handlung:

Drehbuchautor Gil und seine Verlobte Inez begleiten ihre Eltern auf eine Reise nach Paris. Er arbeitet gerade an seinem ersten Roman und fühlt sich von der Metropole inspiriert und fasziniert – so sehr, dass er am liebsten auf Dauer hier leben würde.
Da er mit Inez‘ Freudnen wenig Gemeinsamkeiten hat setzt er sich eines Abends von der Gruppe ab und gerät auf eine Feier im Paris der 20er-Jahre, auf der er unter anderem Salvador Dalí und Ernest Hemingway trifft. Dadurch inspiriert nimmt sein Roman langsam Formen an und er trifft auf immer weitere interssante Persönlichkeiten.

Persönliche Einschätzung:

Woody Allen versteht sein Handwerk und bringt wie jedes Jahr einen sehr unterhaltsamen Film mit einem sehr speziellen Humor in die Kinos, der wunderbar mit Klischees spielt. Owen Wilson hat mich positiv überrascht, aber ich glaube der Film ist nicht Allens bester und dürfte auf den Oscar keine Chance haben. Der Film war unterhaltsam, aber ihm fehlt schlicht und einfach die Wirkung und die Nachhaltigkeit um aus der Masse deutlich heraus zu stechen.

 

Moneyball
Regie: Bennett Miller

Auf den ersten Blick ein solides Sport-Drama mit Brad Pitt und Jonah Hill, das viel Unterhaltung verspricht, allein durch die gute Besetzung. Dazu basiert das ganze auf einer wahren Begebenheit, wobei mein Interesse für Baseball eher gering ist und mich der Punkt eher kalt lässt.

Handlung:

Billy Beane (B. Pitt) ist der Manager des ärmsten Baseball-Teams der Liga und muss den Wechsel der 3 wichtigsten Spieler ausgleichen. In dieser Situation trifft er auf den Nerd und Visionär Peter Brand (Jonah Hill) und gemainsam revolutionieren die beiden Baseball, gegen alle Widerstände im Team und von Außen.

Persönliche Einschätzung:

Der Film ist mehr als eine Simple Geschichte wie ein Underdog sich durchkämpft und es den etablierten Teams zeigt. Es wird ein Portrait des Profisports in den USA gezeichnet und wie das Budget eines Vereins über dessen Erfolg entscheidet. Es gibt keine überzeichneten Gegenspieler sondern nur Menschen, die in ihren festen Rollen arbeiten und sich gegen Veränderung aus Angst und Ungewissheit wehren.
Die schauspielerische Leistung von Brad Pitt ist gewohnt gut und Johnah Hill gibt einen glaubwürdigen Nerd ab (auch wenn er „nur“ Wirtschaftswissenschaftler ist).
Ich bezweifle, dass der Film eine reale Chance gegen die anderen Filme in dieser Kategorie hat, kann aber sagen, dass man auch als Nicht-Basballfan gut unterhalten wird mit witzigen Dialogen (zumindest im O-Ton) und einer erfreulich klischeearmen Story.

 

The Tree of Life
Regie: Terrence Malick

Einer der optisch eindrucksvollsten Filme dieses Jahr, bei dem die Effekte von den selben Leuten wie bei Kubricks 2001 gemacht wurden.
Ansonsten scheint der Film etwas kryptisch und recht philosophisch daher zu kommen und sich weniger um eine Story zu bemühen als darum Emotionen und Gedanken zu transportieren.

Handlung:

Das wird schwer …
Jack (Sean Penn) ist der inzwischen erwachsene Sohn von Brad Pitt und blickt auf seine Kindheit zurück. Er hat den Tod seines älteren Bruders nie überwunden und denkt an diese Zeit, wie auch an die strenge Erziehung seines Vaters. Im Gegensatz dazu steht seine Erinnerung an seine Mutter, die sanft, gottfürchtig und vermittelt ihm die Gabe die Natur auf einer Gefühlsebene wahrzunehmen.
Der Film unterbricht die Erinnerungen an bestimmte Lebensabschnitte immer wieder mit Bildern aus der Natur, dem Urknall und der Entwicklung des Lebens auf der Erde (ja, es gibt sogar Dinosaurier in dem Film).

Persönliche Einschätzung:

Eine Aneinanderreihung von Bildern. Zugegebenermaßen extrem schöne Bilder und großartige Effekte untermalt von ruhiger bis epischer Musik, aber eben für mich kaum mehr. Die Story und der „philosophische“ Anspruch sind zu vernachlässigen und sind mehr Selbstzweck als alles andere.
Wer sich an großartigen Einstellungen und Schauplätzen erfreuen kann ist hier richtig, wer eine Geschichte mit wirklichem Tiefgang will nicht.
Für mich kein Oscarfavorit, eher für „Beste Kamera“, denn das kann Malick wirklich extrem gut.

 

War Horse
Regie: Steven Spielberg

Eine Geschichte über einen Jungen und sein Pferd im ersten Weltkrieg. Etwas zu speziell für viele um wirklich einen Oscar abzuräumen, aber wenn es eher weniger wie der Pferdeflüsterer wird könnte es mich unterhalten.

Handlung:

Albert erlebt die Geburt eines Fohlens mit und ist von da an fasziniert von Pferden. Als sein Vater bei einer Pferdeauktion statt eines Ackergauls ein Reitpferd ersteigert (wofür er große Problem mit seiner Frau bekommt) ist er natürlich begeistert und beginnt das Pferd (Joey) zu trainieren und schafft es wider Erwarten sogar das Feld zu pflügen.
Dann beginnt der erste Weltkrieg und Alberts Vater verkauft Joey an die Armee, wo er als Pferd eines Kavallerie-Offiziers im Kampf gegen Deutschland eingesetzt wird.
Daraufhin führt der Krieg Joey und später auch Albert durch seine Irrungen und Wirrungen.

Persönliche Einschätzung:

Es gibt nicht viel über das man sich bei diesem Film beklagen kann, außer dass er vielleicht zu sehr auf ein Oscar-Drama getrimmt wurde („Oscar Bait„).
Und die etwas zu akzentfreien deutschen Soldaten haben mich etwas irritiert im O-Ton … aber das hat sich dann in der Synchro sowieso erledigt 😀
Der Film ist was den Krieg angeht recht deutlich wie brutal und schmutzig es ist, lässt sich aber immer wieder für entspannte, humorvolle und friedliche Momente um dann mit größerer Wucht auf den Zuschauer zu prallen.
Insgesamt ist es ein sehr gutes Drama und für mich deutlich näher an Remarques „Im Westen nichts neues“ als Robert Redfords „Pferdeflüsterer“ und das ist meiner Meinung nach die bessere Alternative.
Nur die etwas zu akzentfreien deutschen Soldaten haben mich irritiert im O-Ton … aber das hat sich dann in der Synchro sowieso erledigt 😀

 

 

Fazit

Der Oscar für den besten Film wird sich vermutlich zwischen The Artist und Hugo Cabret entscheiden. Die Frage ist wohl ob die Jury den Mut belohnt oder ob man eher konservativ auf ein gut gemachtes Drama setzt.
Wir dürfen gespannt sein wie weit ich daneben liege mit meiner Einschätzung der Entscheidung 😉

 

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Anmerkung:
Mit etwa 20h Vorbereitung und über 2400 Wörtern ist dieser Beitrag der – mit großem Abstand – aufwändigste bisher.
Ich würde mich also über ein paar Kommentare freuen.

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